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Du befindest dich in der Kategorie: Kaninchenbau Donnerstag, 07. September 2006
Kaninchenfrustrationsriegel - kostenlos
Heute ist aller Tage Ende. Meine Zeit im Altersheim will nicht enden. Höhepunkte wie viel zu hohe Erwartungen nach zwei Tagen arbeit (alle Namen kennen; wissen wer Gabel und wer Löffel kriegt, wer Diabetiker und wer Anreichpatient ist); verschiedene Aufträge von verschiedenen Personen mit verschiedenen Vorstellungen von Prioritäten, zur gleichen Zeit; der Geruch nach menschlichen Exkrementen; alte Menschen auf Toilettenstühlen; nackte alte Menschen im Bett; passiertes Essen; noch mehr unangenehme Gerüche; Windeln; Erbrochenes; der Ekelbecher (alle Essensreste in einen Topf, kräftig umrühren.. hmmm); Stressmonster an jeder Ecke; weinende alte Frauen, denen man Pudding anreichen muss; ...diese Höhepunkte also glaubte ich schon hinter mich gebracht zu haben. Weit gefehlt. Im Schloss Monrepos hätte ich arbeiten können, in Kaffeepausen Jessi und Paul besuchen. Ich hätte wieder richtig essen und schlafen können, ohne Bilderflut an Widerlichkeiten, die mich ohne Schutzanzug umspülen, aufdass ich in einem Meer aus Alpdrücken ertrinke. Der Dienstflüchtige aus dem Bereich Bodenkunde hätte meine Erlösung sein können, doch hat die Bundesbürokratiebehörde herausgefunden, dass jemand der einfach nicht an seinem Dienstplatz erscheint, trotzdem der "Inhaber" dieses Platzes ist. Also: Kein freier Platz für mich; keine Zukunft die nicht nach Kot schmeckt. Vorbei. Versetzungsträume geplatzt. Was kommt nun auf mich zu? Der Antrag ist gestellt.... Am Ende naht dann doch die Versetzung nach Auswärts. Keine Heimschlaferlaubnis. Senta nur am Wochenende - und dann auch nur wenn sie nicht gerade arbeitet. Tod durch Wochenendbeziehung, frühzeitige Vergreisung durch Zivildepression. Und überall diese Nutzlosigkeit: In der Schule hat man wenigstens die Illusion man würde schlauer werden, je länger man dort erscheint, die eigenen Fähigkeiten würden zunehmen. Daher schlechtes Gewissen, wenn man mal fehlt. Dann die Gewissensbisse, ganz subtil und leise, auftretend während jeder Pause die man sich gönnt. Jede freie Minute mit dem Gedanken verbracht: Naja, eigentlich müsste man was tun. Schließlich ist bald Abi. Jaja. Nun ist es dagewesen, das Abi. Alles halb so wild. Die Freizeit ist jetzt wirklich frei, es gibt kein "eigentlich" mehr. Nur noch Zeit, die verbracht werden will. Kein Zwang zur Verbesserung. Kein Lerndruck. Kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man eine Woche lang bis spät in die Nacht vorm PC sitzt. Aber auch keine Möglichkeit mehr. Der tägliche Zwang (früher Schule, heute Arbeit) ist wieder da. Und er hat sich verändert. Über allem die Frage nach dem Warum: Kein Ziel (Abi), kein Wissenszuwachs (man verdummt von Tag zu Tag, vergisst alles Gelernte)... und Geld? Bei einem Sold von unter 8€ pro Tag (also unter 1 pro Stunde) auch kein Grund sich zu bewegen. Eine Stunde Nachhilfe geben ist ergiebiger. Warum also? Na klar. Aus Zwang. Kein Entrinnen, keine Perspektiven, keine Lust, kein andres Bier, nur warten und nicht die Würde in der Kloschüssel ertränken.
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