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Du befindest dich in der Kategorie: Kaninchenbau Sonntag, 23. September 2007
Stasi 2.0 und ein Überraschungsgast
Gestern war ich irgendwie auf der Anti-Schäuble-Demo, am Pariser Platz. Das ist ja eigentlich eher nicht so mein ...äh... Metier... aber gut, da war ich nunmal und wundere mich noch, warum sich auf einer Demonstration gegen Kontrolle die Leute von den Polizisten kontrollieren lassen und ihre Rucksäcke zur Durchsuchung hergeben. Das erledigt sich dann aber schnell: Die Leute, mit denen ich da bin, haben sich das schon längst gedacht, und so stehen wir vor den Vorkontrollen, am Hotel Adlon ("Adlon, Adlon, das ist bitter: autonome Jedi-Ritter") und weigern uns, zur eigentlichen Demo voranzuschreiten. Irgendwann stinkt den Polizisten das und sie machen Anstalten, uns auflösen zu wollen. Aber wir bilden Ketten und ich finde mich in der vordersten Reihe wieder. Da wir aber nur stehenbleiben, ein paar Parolen rufen ("Eure Kinder werden so wie wir"), jedoch sonst nichts weiter wollen als nicht kontrolliert zu werden, und weil die Polizisten Angst haben, wir könnten, sollten sie versuchen ihre Staatsgewalt einzusetzen, das Adlon demolieren, passiert nichts weiter. Dann aber werden die Typen in grün ungeduldig. Ich sehe wie sie sich ihre Handschuhe anziehen. Sie setzen die Helme auf. Eine besonders nervöse zieht sogar ihr Pfefferspray. Meinen Freunden gefällt das genausowenig wie mir, glücklicher weise, also ziehen wir uns etwas zurück und lassen pfeffererprobte Antifa-Demonstranten nach vorne. Aber es passiert nichts. Die Demo setzt sich irgendwann in Gang, der Straßenzug beginnt. Nur wir, die Unkontrollierten, dürfen nicht mit. Dann fangen Leute an zu klatschen, weil es so aussieht als würden die Polizisten ihre dämliche Sperre aufgeben. Denkste. Die kesseln uns einfach nur ein. Sogar ich merke schon allein bei dem Gedanken daran, was für eine bescheuerte Idee das ist. Hinter uns ist die Wand des Adlons, ansonsten sind wir von drei Seiten eingekreist: Wir, das sind so zwischen fünfzig und hundert leicht angepisste Demonstranten. Eingekreist, ohne Möglichkeit da herauszukommen. Mir ist einfach nicht klar, was die Pollente sich dabei gedacht hat, das zeugt eigentlich einfach nur von Unfähigkeit. Was erwarten die denn, was jetzt passiert? Dass wir da so einfach stehenbleiben, bis die Demo vorbei ist? Selbstverständlich wird die Polizeikette also durchbrochen. Es wird einfach so lange nach vorne gedrängelt, bis die Bullen aus dem weg sind. Ich konnte garnicht anders, als mitzudrängeln, sonst wäre ich wahrscheinlich niedergetrampelt worden. Also bin ich da irgendwie mittendrin, durch die Kette der Staatsgewalt hindurch, und dort wo sie uns nicht haben wollten: Auf der Demo. Also, fast. Das Problem ist: Ich weiß nicht, wo meine Leute hin sind, und ich stehe echt scheiße. Vor mir sind die Demonstranten, die gerade erneut eine Kette bilden, sodass die Bullen da nicht durchkommen (aber ich eben auch nicht) - und hinter mir formiert sich die in ihrer Ehre angekratzte Polizei neu. "Eine Reihe bilden!", sehe ich einen Wichtigtuer in grün brüllen. Ich stehe im Niemandsland zwischen zwei Fronten und das gefällt mir nicht. Hier kommt mir dann aber endlich mal meine geringe Körpergröße zugute. Irgendwie schaffe ich es doch noch, mich zwischen die Demonstranten zu drängeln. Mein Plan ist es erstmal, wegzukommen von den Polizisten, denn anders als meine Freunde bin ich nicht mit Kapuze und Sonnebrille ausgestattet, ich hatte ja keine Ahnung von sowas, also konnte ich davon ausgehen, dass sich der ein oder andere Grüne mein Gesicht gemerkt hat. Ich komme in der Menge unter und lehne mich an eine geschlossene Imbisbude. Nach einer Weile merke ich, dass mich zwei Typen mit diesen tollen "Stasi 2.0" T-Shirts auslachen. Dann merke ich, dass sie garnicht über mich lachen, sondern über das, was da vor meinen Füßen liegt: Ein einsamer, verlorengegangener Polizeiknüppel. Ich frage mich noch, welche arme dumme Sau den wohl verloren hat und was sie sich wohl von ihren Kollegen anhören muss, deswegen. Dann verschwinde ich aber auch von dort, um nicht mit diesem Ding in Verbindung gebracht zu werden. Später finde ich dann auch meine Leute wieder und irgendwann verlassen wir die Demo, (was mir nur passt, weil die von Rhetorik-Legasthenikern vorgetragenen Redebeiträge meinen Ohren weh tun). Am Abend finde ich mich irgendwo am Rande des Prenzlauer Bergs auf einer Einzugs-/Auszugs-Party wieder, wo gegrillt wird (juhu, sowas machen Berliner glücklicherweise auch) und nicht wenig damit geprahlt, eine Bullenkette durchbrochen zu haben. Das Essen wird in Rekordzeit verschlungen, weil wir noch in irgendsoeinen kleinen Rock-Schuppen müssen wo die Band von dem Freund vom Bruder vom Hund von irgendwem da bei einem Band-Kontest mitmacht. Die Musik ist wirklich gut, merke ich beim Hereinkommen, das ist nicht diese 0815 High Amp Scheiße, die im Rheingau läuft, wo man die Bands größtenteils nur durch den unterschiedlichen Grat an Hackfressigkeit unterscheiden kann. Das gefällt sehr gut, und das ist auch die Band, die wir zu hören gekommen sind. Die nächste allerdings, da muss ich dann lachen (und brechen) ist genau so scheiße wie Teestubenparty-Bands des Rheingaus, absolut ohne Besonderheiten oder sonstwas, das Freude macht zuzuhören. Da hilft dann auch nicht der schützende Schirm des Aus-der-Großstadt-kommens, die waren einfach kacke. Schließlich kommt die Preisverleihung. Das Urteilsfindungsverfahren ist mir nicht ganz klar, es gibt eine Jurie, aber auch das Publikum musste durch lautstarke Beifallsbekundung Meinung vertreten. Es gewinnt irgendeine Band, die das auch ein bisschen verdient hat, aber das ist jetzt egal: Die "Moderatorin", mit der Stimme eines ungeölten Schaniers, sagt dann nämlich sowas wie "Und nun bitte ich -aus der Jurie- Stumpen von der Band Knorkator auf die Bühne, damit er die Preise verleihen kann!" Mir bleibt da ein wenig der Mund offen stehen,habe ich da richtig gehört?, aber tatsächlich: Da kommt der kleine Stumpen auf die Bühne... jaaaa, denke mir dann notgedrungen.... ja, Berlin hat was....
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