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Mittwoch, 24. Oktober 2007
Koksen und ein Lachanfall
Von omegamann, 19:32

Diesmal habe ich in fraglicher Vorlesung dann tatsächlich laut gelacht. Also so richtig.

Das, erstmal, als Gegendarstellung zu meinem letzten Beitrag.

Aber, ich fürchte, meine Reaktion ließ sich nicht auf die Späße des Dozenten zurückführen, der sich in klassisch zynisch-sarkastischer Weise mit dem neuen Elite-Status meiner Uni auseinandersetzte. Nein, nein. Das Objekt meiner Freude war die Frau, die sich etwa 15 Minuten nach Vorlesungsbeginn in den Saal schlich. Vorsichtig schloss sie die Tür hinter sich. Diese, aber, wollte nicht zugehen. Die Tür schwang wieder auf. Die Frau machte sie wieder zu. Auf. Zu. Dann ging sie weg, aber jemand aus der Menge gab ihr ein Zeichen, dass die Tür noch immer offen sei, deshalb kehrte sie zurück, schloss die Tür wieder - vergeblich. Erneut entfernte sie sich, bis ihr jemand den Tipp gab, den Hebel neben der Eingangspforte zu Hilfe zu nehmen. Auch das vergebens. Ich mochte dieses Spiel sehr gerne, aber richtig schön wurde es erst, als ich merkte, wie das Publikum seine Aufmerksamkeit auf die Zuspätkommerin richtete. Als schließlich ein Student anfing zu kichern, war es dann ganz zuspät. Ich prustete los; so auch einige andere im Saal. Die Vorstellung dieser blöden Frau, die einfach nur versuchte unauffällig zu sein und nun von jedem ausgelacht wurde, war so peinlich, dass ich kaum an mich halten konnte. Die offensichtliche Ignoranz des Dozenten, dieses Thema betreffend, machte die Sache nun auch nicht besser.

Irgendwann war das dann zum Glück vorbei und ich hatte mir die Tränen aus den Augenwinkeln gewischt. Da betrachtete ich das Gekritzel auf dem kleinen Klapp-Zieh-Tischchen vor mir. Wie in Schulzeiten hatte da irgendjemand irgendetwas draufgeschmiert, sowas wie: "Kiffen?" - "Ja, gerne" - "Koksen?"

Oder: "Philosophie ist Krieg" - Oder: "Jetzt erstmal ein Bieri!"

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass gut 50% der Besucher dieser Vorlesung 50+, wenn nicht gar 60+ waren. Alte Männer und Frauen, die dreist den Studenten die Sitzplätze wegnehmen. Vor mir solch ein Exemplar. Und was macht diese uralte faltige Karikatur eines Menschen? Sie kritzelt etwas auf ihren Tisch. Irgendein Bild von einem grinsenden Kater, oder sowas.

Erwischt!, denke ich mir. Das sind also die Erwachsenen hier, die Nicht-Studenten, die Erwerbstätigen, verantwortlungsvolle Teile dieser Gesellschaft, die alles bekritzeln. Und dann schieben sie alles auf Schüler, Studenten, Jugendliche! Sehr aufschlussreich. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Lehrer damals heimlich in den Pausen mit den Filzstiften über den Tischen gebeugt -die Zungenspitze zwischen den Lippen hervortretend- ihre geheimen Ansichten hinterließen - nur um später irgendeinen kleinen Jungen dafür zur Rechenschaft zu ziehen...

Mir ist jetzt auch klar, woher das Graffitti an den U-Bahnhöfen und Häuserwänden kommt!

Die Vorliebe älterer (erwerbstätiger) Menschen lässt sich ja allein schon dadurch erkennen, dass sie auf legalem Wege alles mit großen Werbeflächen überziehen, Straßenschilder, Wegweiser, weiße Streifen auf der Straßenmitte, Autokennzeichen, Kalender, Zeitungen, - Bücher... es ist überall...

Und jetzt muss ich aufhören, angewidert von der Erkenntnis über die Natur dieses Weblogs....

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