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Kaninchengänge
Kaninchenstall
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Donnerstag, 11. Januar 2007
Kinski sagt dazu:
"Gebt sie mir wieder, meine Schwarzen Puppen. Ich will mit ihnen spielen, die unbefangenen Spiele meines Instinkts; meinen Mut wiederfinden, meine Kühnheit, mein Ich fühlen. Wieder das Ich das ich gestern war, gestern, ohne Zwiespalt, gestern, eh die Stunde der Entwurzlung kam." Das auch nur nebenbei. Ein neues Jahr hat begonnen, und viele neue Dinge warten darauf zu passieren, genau wie ich darauf warte, dass sich endlich irgendetwas tut, außer in mir drin, meine ich. Diese stets gleichbleibenden Tage deprimieren mich und ich muss feststellen, dass ich gerne aus diesem Alltagskreislauf ausbrechen würde, wenigstens so ein kleines Stück. Ich möchte, glaube ich, nie wieder in meinem Leben Arbeiten. Also, das "eine Arbeitsstelle haben", meine ich. Lieber würde ich ewig Student sein können, oder etwas in der Art, oder freier Autor, oder eben einfach nur ich selbst, losgelöst von der Selbstidentifikation durch den Beruf. Hoffentlich sind das nicht nur Wunschträume, wobei, das fällt mir nebenbei auf, ich anscheinend immerhin schon wieder etwas wünschen kann, das ist neu, ich hoffe dieser Aufwärtstrend hält an, denn das vorher, diese Unfähigkeit zum Wünschen und Hoffen, das war echt mies.
Sonntag, 31. Dezember 2006
schnell noch, schon im Verschwinden, hinterhergerufen
Arschlecken 2006 -das Jahr, das mir in die Eier getreten hat-
Donnerstag, 21. Dezember 2006
Enten mit Kaninchenweisheiten
Montag, 18. Dezember 2006
Abschied
Ich existiere nicht mehr. Die wesentlichen Teile meines Selbst sind verschwunden. Denn sie werden nicht mehr gebraucht. Niemand benötigt mehr die vielen kleinen Eigenheiten, die ich hatte, wenn ich mit ihr alleine war. Da ist keine Verwendung mehr für das „private“ Ich. Denn was sich jetzt noch privat nennt ist nichts weiter als Einsamkeit. Einsam, ungesehen, funktioniere ich nur noch. Ich lebe nicht mehr. Da sind keine Selbstgespräche, da ist keine Selbstinszenierung, da ist nur das Vergehenlassen der Zeit. Wie ein Roboter, nur halb so effizient, friste ich mein Dasein.
Bis mir eines Tages jemand wieder erlauben wird, mein echtes Ich hervorzugraben, es abzustauben, um zu sehen ob es nicht doch noch für etwas zu gebrauchen ist.
Bis dahin: Adieu, Flori. es grüßt Florian
Sonntag, 17. Dezember 2006
Nichts gesehen....
Es ist 7:40 Uhr. Ich wache auf. Alleine.
Dann fällt mir wieder ein wieso und an welcher Stelle meines Lebens ich mich befinde. Ich bin hellwach. Kein entkommen vor der Wirklichkeit.
Positionswechsel: Auf die Couch. Warten.
Vor ein Uhr wird sicher nichts passieren. Sie wird noch schlafen. Kein Hoffen darauf dass sie meine Mail beantwortet, oder anruft. Nur warten.
Aber weshalb sollte sie anrufen? Was gibt es noch zu sagen?
Und was sollte sie auf meine Mail antworten? Ich habe ja nichts offen gelassen.
Kein Schlupfloch. Nichts. Wünschte ich ich hätte?
Die Zeit vergeht. Langsam. Ich warte auf der Couch, vor dem PC, vor dem Fernseher, vor dem Telefon. Nichts passiert.
Es ist 16:14 Uhr. Ich halte es nicht mehr aus. Fluchtartig verlasse ich die Wohnung. Draußen ist es angenehm kalt. Ich gehe die Auffahrt hinunter, richte meinen Zopf zurecht. Aus einem Fenster, an der gegenüberliegenden Straßenseite, sehen mich zwei Mädchen an, wohl in meinem Alter. Sie mustern mich. Ich winke. „Hallo.“ ruft eine. „Hallo.“ rufe ich zurück.
Ein anderer Mensch hätte sie sicher angesprochen, etwas getan. Aber das bin ich anscheinend nicht. Ich gehe weiter. Nach ein paar Metern ärgere ich mich.
Meine Schritte führen mich unweigerlich in ‚ihre’ Nähe. Ich denke an schönere Tage. An den Bahnschranken halte ich an. Hier ist nicht mehr mein Zuhause. Diese Stadt hat mir nichts mehr zu bieten. Ich gehe zurück.
Die zwei Mädchen sind nicht mehr da, alle Rollläden in diesem Haus sind heruntergelassen, kein Licht brennt. Eine vertane Chance?
Zuhause, oder was sich so nennt. Wieder am PC. Wieder ist nichts passiert. Kein Telefon, keine E-Mail. Ich könnte sie anrufen, schießt es mir durch den Kopf. Nein.
Aber doch, der Gedanke will nicht gehen. Einfach anrufen. Ohne Grund. Diese Möglichkeit brennt in mir, mein Herz schlägt schneller. Ich muss mit jemandem darüber reden. Mir wird nicht davon abgeraten, aber dann fällt der entscheidende Satz: Er ist wohl noch da. Natürlich. Was dachte ich auch? Sie waren im Gnoom, gestern. Schlagartig beruhigt sich mein Herz. Alle Lust mit ihr zu reden verpufft.
Ich will etwas tun, rufe Leute an, aber niemand ist da. Ich muss etwas tun. Nochmal spazieren? Mich mit einer Flasche Alkohol an den Rhein setzen?
Ja, das klingt gut. Vielleicht passiert so etwas.
Ich sage ich gehe spazieren und mache mich auf den Weg.
Im Plus. Ich stehe an der Kasse. Habe ich heute überhaupt etwas gegessen?
Ich sehe einen Arbeitskollegen an einem Regal. Er hat auch Sorgen, weiß ich. Ob wir uns heute zusammen den Kummer wegtrinken sollten? Er sieht mich nicht und ich werfe die Idee weg. Der Junge in der Schlange vor mir will der dicken hässlichen Kassiererin eine Blume schenken. Sie guckt mich (?) an und macht ein seltsames Geräusch, das wohl Belustigung ausdrücken soll.
Auf dem Weg zum Rhein. Ich habe schon die Bank im Sinn, auf die ich mich setzen will. Einige Meter vor mir läuft ein alter Mann mit braunem Mantel und Hut. Durchschnittsopa. Er dreht sich um, will wissen ob ich gefährlich bin, mit meiner Flasche in der Hand. Er kann sich nicht entscheiden, läuft aber weiter. Am Bootshaus bleibt er stehen, um ein Schild zu lesen. Ich laufe an ihm vorbei, spüre seine Erleichterung. Ich werde langsamer, drehe mich um und sage: „Abend.“
„Wollen wir ein Stück gemeinsam gehen?“ fragt er „Wenn immer einer hinter einem läuft kommt man sich komisch vor.“ „Ja.“ Sage ich „das kenne ich. Ich will aber bloß auf die Bank dort vorne.“ „Sie wollen hier doch nicht übernachten, oder?“ er siezt mich. „Nein.“ Antworte ich „ich habe bloß Liebeskummer.“ Er bleibt stehen. Entsetzt. „Sie sind doch noch so jung. Da muss man doch keinen Liebeskummer haben.“ Das würdige ich keiner Antwort. Ich zeige auf die Bank. „Also, da ist schon mein Ziel... Schönen Abend noch.“ Er schüttelt den Kopf und geht weiter, verschwindet in der Dunkelheit.
Ich sitze auf der Bank, allein. Im ersten Moment ist es ganz schön. Ich habe den Alkohol und laute Musik schreit aus meinen Kopfhörern, direkt in meine Gedanken hinein. Aber ich habe nichts über das ich nachdenken müsste. Alles ist gesagt, jede Entscheidung ist getroffen. Keine Zwickmühlen, keine Für und Wider abwägen. Alles ist klar. Unklar ist nur was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Es wird langweilig. Und kalt. Der Alkohol wärmt nicht.
Nach einer Stunde gehe ich wieder.
Es ist 18 Uhr. Ich verlasse die Unterführung. Auf der anderen Straßenseite läuft jemand und mustert mich. Meine Augen sind aber zu schlecht um ihn erkennen zu können. Ich komme näher. Ich erkenne Sertac. Wie lange ist das her, seit ich ihn das letzte Mal sah? In welcher Klasse ist er von der Schule abgegangen? Besonders gut leiden konnte ich ihn nicht, glaube ich.
Aber er freut sich, mich zu sehen. Wir schütteln uns die Hände. „Was machst du?“ fragt er mich. Ich sage ihm dass ich kein Ziel habe und Liebeskummer mit Alkohol ertränken wollte. „Ah, Liebeskummer, das kenne ich, Florian. Der Liebe Gott hat es uns beiden schwer gemacht. Wir sind leider keine Schränke, nicht groß und muskulös. So muss man sein.“ Mir fällt auf dass er in der Tat nicht viel größer ist als ich. Früher war das anders. „Naja, ich habe auch kein Ziel. Zum ersten Mal seit Wochen will ich wieder raus. Ich war die ganze Zeit Zuhause bisher. Ja, ich bin seit einiger Zeit arbeitslos.“
Seltsam, denke ich. Er war immer schlecht in der Schule, viel zu faul um etwas zu machen. Dann die Drogen. Das Wort ‚Arbeitslosigkeit’ hing immer drohend über seinem Kopf, unheilverkündend. Und jetzt ist es da. Es ist genauso gekommen wie es jeder vorausgesehen hat. Und es geht leicht über die Lippen. Scheint nicht so schrecklich zu sein. Er lebt und ist guter Dinge.
Wir beschließen, gemeinsam nach Rüdesheim zu fahren.
In der Bushaltestelle haben wir eine halbe Stunde Wartezeit. Er erzählt mir von jemandem, der in Mainz Philosophie studiert und eine Arbeit über Nietzsche geschrieben hat. Sertac sagt er findet dass Nietzsche falsch verstanden wurde. Darüber muss ich schmunzeln und er versteht es als Lob. Währenddessen frage ich mich, was ich mir da eingebrockt habe. Eigentlich habe ich keine Lust mit ihm den Abend zu verbringen. Jetzt erzählt er dass er seit einem halben Jahr mit Rauchen aufgehört hat und auch keine Drogen mehr nimmt. Und ich überlege fieberhaft wie ich aus dieser Situation wieder herauskomme. Ich könnte einfach aufstehen und wegrennen. Es wäre egal, ich würde ihn nie mehr wiedersehen. Scheiß drauf, was er dann von mir denken würde.
Ich könnte auch einfach sagen ich müsse mal pinkeln, um die Ecke gehen und verschwinden.
Aber ich bin schon viel zu betrunken, ich bleibe einfach sitzen.
In Rüdesheim laufen wir erst ein wenig umher. Durch den Weihnachtsmarkt.
„Warum sind die Europäer immer so merkwürdig?“ fragt Sertac. Ich fange an zu dozieren über das was uns umtreibt, über die Lücke die wir in uns spüren und die wir auszufüllen versuchen mit Dingen wie Macht, Geld, Liebe – und vor allem (ich zeige auf die zahlreichen Buden und Stände um uns herum) mit Konsum! Dann fällt mir auf wie sehr ich genau das liebe, den Konsum. Ich sage es ihm und er stimmt mir freudig zu. Ein paar Meter weiter grüßt uns freundlich ein Weihnachtsmann. Ich bin überrascht. Diese Freundlichkeit habe ich an so einem Tag nicht erwartet.
Ein bekanntes Gesicht läuft mir über den Weg. Ich grüße sie, sie bleibt stehen. Sertac entfernt sich höflich. Sie weiß schon, dass es aus ist mit dem „Traumpaar“, wie sie sagt; dabei lächelt sie zynisch und ich frage mich was dieser Zynismus zu bedeuten hat. Die Neuigkeit unserer Trennung hat anscheinend schon die Runde gemacht, bevor ich selbst sie überhaupt verarbeiten konnte. Ansatzweise. Sie geht weiter und ich frage mich, ob es aufgefallen ist, dass ich so betrunken bin. Wahrscheinlich.
Sertac will ins Qu. Ich war noch nie da, lasse mich mitschleifen. Er kennt den Türsteher, sagt er. Tatsächlich: Freundschaftlich unterhält er sich mit dem bulligen Kerl in der schwarzen Jacke. Es kostet aber 4€ Eintritt und so viel hat Sertac nicht, also gehen wir wieder. Da hat auch seine Freundschaft nichts genützt.
Wir gehen in irgendeine Kneipe. Mir fällt auf dass ich nicht weiß in welche, also frage ich ihn leise. Er sagt mir den Namen und kurze Zeit später habe ich ihn wieder vergessen. Dort werde ich noch betrunkener. Ich bestelle einen ‚Fürst Bismarck’. Keine Ahnung was das ist. Klingt aber wichtig und gut. Die Kellnerin fragt mich ob ich ihn pur haben möchte. Ich sage „ja“ als wüsste ich was ich täte. Sertac trinkt ein Bier. Eine klare Flüssigkeit bekomme ich in einem kleinen Glas hingestellt. Ich rieche nicht dran, trinke sofort. Es ist scheußlich, schmeckt einfach nur nach Alkohol, kein Beigeschmack. Ich kippe es runter. Sertac erzählt mir begeistert dass er nicht Türke genannt werden will, sondern „Indogermane“. Ich tue das und quatsche etwas über Druiden und Kelten. Und über das Wasser des Lebens. Daraufhin trinken wir einen Aquavit.
Neben uns sitzen zwei Mädchen und unterhalten sich. Wir verstehen ihre Sprache nicht, verstehen nicht einmal welche Sprache das ist. Irgendwann werden sie angesprochen. Eine von beiden ist tatsächlich hübsch. Sie sind Schweizerinnen, die Überraschung ist groß. Ich murmle etwas davon dass ich mal Verwandte aus der Schweiz hatte. Sie fragen wo. Aus der Nähe von Luzern, sage ich und stelle fest dass ich viel zu betrunken bin um solch eine Unterhaltung zu führen. Also klinke ich mich aus und bestelle ein Wasser. Davon wird mir schlecht.
Die Schweizerinnen gehen irgendwann. Müssen ein Schiff erreichen, was ich, sogar mit vollem Kopf, für eine Ausrede halte.
Inzwischen ist es nach elf Uhr und das Gnoom hat auf. Wir gehen dort hin und ich frage mich wieso. Lege ich es darauf an, sie zu treffen? War das die ganze Zeit schon mein Plan?
Als wir ankommen ist sie nicht da. Ich stelle fest dass ich erleichtert bin. Wir gehen kurz rein, nur ein paar gesichtslose Gäste. Mir geht es gar nicht gut. Ich gehe raus und setze mich auf eine Treppe, lehne mich gegen eine Glasvitrine. Wo ist Sertac?
Ich will warten, bis sich vor meinen Augen nichts mehr dreht. Aber das passiert nicht.
Irgendwann läuft mein indogermanischer Freund an mir vorbei. Er sieht mich nicht. Ich habe keine Lust ihn auf mich aufmerksam zu machen. Mir ist immer noch übel und ich wundere mich warum meine Haare offen sind.
Ich gehe.
Gewiss würden noch Busse oder Züge fahren, aber ich laufe. Und auf dem Weg nach Hause merke ich, dass dieser belanglose Abend genau so ist wie ich: Er muss festgehalten werden, sonst ist er bedeutungslos. Mich selbst kann ich nicht festhalten, ihn aber schon, beschließe ich.
Zuhause angekommen treffe ich meine Mutter. Sie schaut mich besorgt an. Mir fällt ein, dass ich ihr gesagt habe ich ginge nur kurz spazieren.
Ich lege mich in mein Bett und diese Geschichte endet ohne Pointe, denn nichts was echt ist läuft auf irgendetwas hinaus.
Montag, 11. Dezember 2006
Was du siehst....
Wenn mein Vogelküken flügge wird und wegfliegt kann ich mich auch noch so sehr verbiegen: um ihr zu folgen fehlt mir die Grundlegende Vorraussetzung: Ich habe keine Flügel. Und sie kann mir nicht zeigen wie man sich welche wachsen lässt. Bin eben nur ein Mensch, so sehr ich auch wünsche. Flieg, meine Schöne. Und schau nicht zurück; es würde dir nicht gefallen was du siehst.
Mittwoch, 06. Dezember 2006
Kaninchengrübel
Ich sehe meine Zukunft an mir vorrüberziehen. Und sie gefällt mir nicht. Für eine Veränderung braucht man immer Alternativen. Und die sehe ich nicht. Irgendwie ist das alles Mist; ich frage mich wer dafür verantwortlich ist. Und wenn wirklich ich das bin, dann verstehe ich nicht wie man überhaupt irgendetwas richtig machen kann. Gibt es das überhaupt? Gibt es richtiges Entscheiden? Und wenn nicht, was wahrscheinlich ist, sind dann Selbstvorwürfe überhaupt noch angebracht? Ist es dann nicht zwecklos sich über irgendetwas anderes zu ärgern als über die Wirklichkeit an sich?
Donnerstag, 30. November 2006
Angsthasen
Letzter Tag auf Erden. Bewusstseinsspaltung.
Zeitungsingenieure trotz seelisch verinnerlichter cineastischer Korrektheit arbeitsfrei. Keine letzten Schlagzeilen, kein letztes Programm. Keine Flimmerbilder mehr, keine Schallwellenmusik dringt an das Ohr. Kein Strom. Kein Wasser. Kein Bedarf. Nur du und ich. Und alle anderen auch: Nur sie und einander.
Vergewaltigung und Mord. Geheime Gelüste gewinnen die Oberhand. Triebe wachsen aus dem Inneren hervor, brechen ans Tageslicht und spotten Recht und Ordnung. Doch kein Empören kann sich mehr regen. Keine Rache, kein Vergeltungsschlag. Keine Präventivmaßnahmen mehr. Die Notwendigkeit ist tot. Auch die stets diskutierten Suchterzeuger entfallen unerwartet häufig. Niemand wundert sich.
Überall bildet sich Zweiheit. Das Individuum explodiert und verglüht schließlich zu zwei Teilen. Wir zwei. Ablehnung der Natursehnsucht. Nur noch Menschen, Gemeinsamkeiten, Taktgefühl und Entgegnung. Immer als Paar, nie alleingestellt. Der Hunger: Bedeutungslos. Der Stress: Abhanden. Der Krieg: Zu langwierig.
Mitten zwischen zwei unlängst sich ignorierenden Todfeinden erblickt unser Erlöser die Szenerie aus Chaos, Unordnung und Akzeptanz. Dieser Tanz, diese eine Bewegung, zieht sich und blickt zu ihm zurück.
"Was ist das eine große Geschöpf das in dir wohnt? Woher kommt es? Was will es von dir, wenn es nicht gerade deine Innereien verschlingt? Wo ist die Bedeutungsebene deiner gelb erleuchteten Aura?"
"Und wer dringt fortwährend in seinen Kreislauf ein? Ist die Antwort in sich das perpetuum mobile einer längst vergessenen Zeit? Hat Prometheus das Feuer wirklich den Menschen gebracht oder vielmehr ihren Angstphantasien?"
"Stirbst du, wenn dein Ba-Körper sich von dir trennt? Oder kehrst du wieder zurück zu Staub und Asche. Zu der großen Wolke, die alles erdrückt. Wird die Wiedergeburt dieses Mal anders?
Du kannst uns alle retten. Du bist der Mensch der keine Brücken mehr überqueren muss. In jedem großen Sturm taucht ein großer Mann wie du auf. Mit keiner einzigen Alternative als seine riesigen Hände zu erheben über das verschwindende Land. Aber deine Hände sind nicht rot. Kein Geld, kein Schlaf, keine Versammlung braucht er um eins zu werden mit seinem Selbstrespekt. Ein Insekt, aus Schlamm geboren, mit grünem Schatten und gelben Rotwildaugen. Du bist, - hast die Kraft uns neues Leben zu schenken und zu verwirklichen. Du kannst es aufhalten und stoppen. Du siehst es in deinen Albträumen: Das Ziel deiner Kopfsucht. Gebannt auf Bildschirme: Du bist ein katastrophaler Mann, ein gescheiterter Gott, ein verwunschener Engelsträumer. Du kannst... immer... und du kannst deinen Willen bestimmen. Also?"
"Nur das Chaos bringt die Liebe. Sieh dich um. Sie leben. Weil sie sterben. Die Hässlichen klopfen nicht mehr an die Tür der Gerichtsbarkeit. Ich lasse ihre Wärme hinein.
Hörst du das Donnern? Siehst du den Lichtblitz?
Mein Fleisch schält sich vor meinen Augen. Sicher hätte ich die Möglichkeit Möglichkeiten zu erschaffen, aber nie zuvor hat ein großer Mann das Ausmaß seiner Taten erblicken dürfen. Ich verzichte auf die Freiheit den Willen zu bestimmen... meine Freunde sind schon längst gegangen, und so auch du, in diesem Moment des Einlasses.
Es ist aus, ich sitze alleine hier und klopfe an alte Türen. Dieser eine Tag war es wert, vernichtet zu werden. Und unbemerkt blieb mein Abgang.
Doch hätte auch nur einer von ihnen meine Möglichkeiten begriffen, er hätte sie mir genommen. Wie ich."
Donnerstag, 09. November 2006
Kaninchenkind
Ich lasse deinen Kopf sich drehen, mit nur einer einzigen neuen Welt. Ich erschaffe sie aus dem was du sagst, was du schmeckst und was du heimlich an den Feind weiterverrätst. Dein Kind, deine Bewusstseinslücken, deine Schreie. Ich will nicht wissen was es gibt! Verrate deine lückenlose Ignoranz an andere. Ich will nicht mehr wissen wen es gibt. Verrate mich an das Überbleibsel aus längst vergangener Abendshow. Vertrete dir die Beine mit deinen neuen Füßen. ICH will nichts mehr wissen. Nicht wie du mir heimlich Vorwürfe machst, nicht wie du alles tötest was dir in den Weg kommt: Meine Lebenslust, meine Standhaftigkeit, anderer Leute gute Laune, oder das Reh... plattgewalzt von den unglaublichen Massen deiner autoreifengleichen Trittflächen. Erschlage mich wie es mit dem Warndreieck, lass uns gut sein. Lass mich meinen Weg machen in den tiefen Untergrund. Wo einem einsamen Herrscher seine Krone gestohlen wurde. Wo ich mit dreckigen Liedern die Zeit ausfüllen kann. Mehr und mehr. Länger und länger zu erlangen den einen Schuss: Furcht. Jetzt. Zwischen den Gesteinsbrocken verblasster Menschheitsgeschichte, vergraulte Vergangenheit. Du, bekannt für deine unaufhörliche Frage nach dem Ende des Fortwährenden, führ' mich hinab. Oder stoße mich. Oder dreh dich um, damit ich laufen kann! Laufen für die Traumwerkstatt: Gummipuppen und Lutscher. Lass mich in das Innere. In MEIN Inneres. Ich will nicht wissen was du hast. Lass mich allein. Ich kann nicht mal mehr schreien, nein, nicht ein Schrei entspringt der Quelle meiner Musik. Sag nicht nein zu meinen Wünschen, ich weiß du kannst sie teilen. Du konntest es, einst, als wir zusammen im Fluss des Herzens schwammen, als wir beide fürchteten was es zu wissen bald nicht mehr gibt. Und du sagst: "Du, du kleines Wesen. DU magst so gerne deine eigene Musik. Und nichts anderes. Dein Auftritt ist nichts weiter als endlos wiederholbare Selbstbefriedigung. Dazu sage ich nur NEIN! Nur dieses eine Wort. Einfach so. Lebe doch deine Musik, strebe nach ihrem Wesen. Und verlange nicht von mir Rythmus in dein kaputtes Wachbewusstsein zu schieben. Die Zeit war schon immer mein Feind, das weißt du. Gleichzeitig auch mein Geliebter, meine Familie und mein gestohlenes Statussymbol an die alte Großvateruhr. Und wenn du, in deinem endlosen Rausch, zwischen zurückgetretenen Endorphinschocks, in einem kleinen Moment des Überlebens, wieder zur Klarheit kommst, alle anderen erkennst und weißt was für immer ist... So kommt die Erinnerung zurück, dass ich nicht der Vampir in den Schränken deiner Abgründe bin, nicht deine langweilige Ehefrau, auch nicht dein dummes Gewissen, sondern schlicht und einfach die Wahrheit zwischen den Zeilen: Ich bin du - und die Trennung unserer Gesamtheit ist nichts als der Wunsch einer altbekannten Sache, sich endlich in einem neuen Gewand begriffsstutzig zu machen." Wir spielten Stein, Schere, Papier - und alles was uns blieb war der alte Wandschrank mit seinem dunklen Inneren, von dort aus verschließbar, für immer. Ich will nicht mehr wissen was ich alles gewesen wäre!
Freitag, 20. Oktober 2006
Kaninchenüberdruss
Was denn noch? Jetzt bekommen wir zwei Zivis in der Bodenkunde auch noch elektronische Stechkarten. Dann ist nix mehr mit später kommen und früher gehen. Und warum? Werden wir Zivis nicht nach Tagen bezahlt und ist es da nicht so tragisch, wenn wir mal eine halbe Stunde früher gehen? Wenn wir mit unseren Aufgaben fertig sind, weil wir so flotte Superzivis sind, muss es da sein dass wir noch bis Dienstschluss rumsitzen und gammeln, anstatt sinnvoll die Zeit in den Feierabend zu investieren? Wie soll ich das im Winter schaffen, wenn ich morgens nicht mehr mit dem Rad runterrollen kann, sondern laufen muss? Und wer kauft mir jetzt ein Eis? Zivi Nummer eins bestimmt nicht, der ist immer Pleite. Was auch sonst, bei dem Hungerlohn für den wir unseren Rücken kaputt machen?! Und dann das ganze Ausmaß: Kann nicht immer Freitag sein? Heute war trödeln angesagt. Zu zweit Eimer mit Dest. Wasser volllaufen lassen, die Muffins der Praktikantin wegfuttern, grausam zu Tieren sein. Und dann 15min. früher gehen, ein letztes Mal. Ein Hoch auf das Muffeln, Mörsern und Stößeln. Und auf das Kalaidoskob bleichgesichtiger Studenten und Doktoranten im Angesicht der ersten Versuchsreihen im unbekannten und ungewohnten Labortrakt des Bodenkundegebäudes Nummer eins. Noch sieben Monate.
Donnerstag, 12. Oktober 2006
Kaninchengebrabbel
Nachschenken. Berufsübernahme durch einen dieser Proleten. Braune Korbflaschen, Plastikfoliengehäuse, schwarz-rote Eimer. Und dreiduzend Supermarktkunden ehrlich wimmernd an einem Baum. Wegschmeiß-Leben, Vertrödel-Zeit, Vollidioten-Sammelbecken. Personalisationskette als Alternativlösung, zusammengesetzte Hinterhöfe und echt ätzendes Personal. Dann die Zahnarztrechnung, das Zusammenkratzen und Sammeln für den Schmerz, zum Dank. Theorie eins: Bodensatz als Simultanwirkung mit dem verlängerten Rückenmark stürzt sich nur widerwillig in schwarze Kehlen. Absatz wird von den ewig gleichbleibenden Beschwerden übernommen. Theorie zwei: Die Zange verbindet Schüttelfrost und Geschmacksverstärker als Abbild der "Gesellschaft" (altes Synonym für die große Selbstschau -vor sich selbst oder imaginären anderen, ganz gleich-, Albernheiten der multifunktionsgestörten Identitätskrise) Wann hat das je aufgehört weh zu tun? Und wo ist sie hin, die goldgelbe Sonne? Wo bin ich jetzt und wohin führt mich das streng lächelnde Abführmittel der Existenz-Allegorie: 'Ewiges Begrifferaten zur Seinsäußerung'?? Letztlich, mit dem endgültigen Schluck, nach dem Schluckkrampf, nach der Bewegung und den Bettlern, verzichten wir doch alle weitgehend auf die selben Ansprüche. Wir stellen sie nie, sie schäumen auf und quillen uns aus Nasen und Ohren, doch wir zensieren sie. Wir kommen nicht darauf hinaus und verdächtigen uns als Zerstreuer der blöden Traummaschine. Wir schmecken uns und glauben an vakuumgesteuerte Abbilder, an den Plural und an die heilige Einzahl der Sterblichkeit. Und dann, in dem letzten Zögern zwischen Traum- und Dreckwelt, vergessen wir die eine Sache, die uns umtreibt. DU ignorierst die Sehnsucht in dir, den Wunsch nach etwas das du nicht kennst. Niemand kennt es, vielleicht hat es nie existiert. Und doch verbleicht es nicht im alternden Verfallsstreben. Es passt sich nicht an und geht nicht unter, nur DU selbst. Und jetzt Pfandabgabe für diese lächerliche Lückenbüßerei. Aufstoßen, Beschlüsse verhalten sich abnorm, Affentheater abschalten und sich selbst vergessen. Aber mit Vergnügen und Hintergrund. Rechtfertigt das, ihr Egokraten: Das Herz ruht sich nie aus, warum dann ihr?! Sterben wir in jedem Moment der Entspannung vorzeitig und entstehen neu als Mensch? Neonatizid als Depressionslösung? Dann lieber den Kassenbon verbrennen und die Kassiererin steinigen. Letzte Mahlzeit, letztes Wir. Prost.
Donnerstag, 21. September 2006
Das weiße Karnickel des Todes
Weiße Wintersprossen wie ein Hauch von Neuschnee auf ihrem Gesicht. Die Augen wasserfarben, mal klar - mal trüb, gefrieren und lassen mich erstarren. Ich erzittere mit all meinem Körper, mit jedem Haar und jedem Trieb; mir ist wohl kalt, doch ich spüre es nicht. Frosthauch, ihre Stimme. Farblose Wolken strömen aus ihr, zu mir, mich einzunebeln, einzuweben wie in das eisige Netz einer Schneespinne. Die Zähne blenden mich, so weiß, ich bedecke meine Augen. Doch ist es nur das Licht der Kältesonne, welches sich wie in einem Eiskristall spiegelt, mir entgegen, mir zu schaden und mich wirr zu machen. Allein, ich lasse meine Sinne nicht narren, zersprenge die Täuschung und erleuchte Stalagmiten und Stalagtiten aus Eis, getarnt als Zähne, diese spitzen Beißwerkzeuge. Kalter Schweiß auf meiner Stirn. Und eine einzige flüssige Träne aus ihrem Auge: Warm, salzig, eine Spur nach sich ziehend wie ein Feuerkäfer in der Winterlandschaft, die ihr Körper darstellt. Ein Fremder in einer Welt aus Eis und Schnee, verheerend: brennend, zerstörend, am Ende aber unterlegen, unter Schneelawinen begraben. So auch die Träne, sie hat das Kinn erreicht - und alles was von ihrer schönen Kraft übrig geblieben ist: Ein gefrorener Tropfen, bald nicht mehr von denen des Regens unterscheidbar; in ihrem hübschen Angesicht -mir zum Spiegelbild- nur noch eine weitere Wintersprosse. Wie ich, in meiner letzten Betrachtung erfroren, legt sie sich in den Kälteschlaf, wohlwissend eines Tages in einer Welt aufzutauen, die uns verbrennt und in der nichts geblieben ist von der glasklaren Schönheit meiner weinenden Liebsten.
Montag, 18. September 2006
Das Versetzungskaninchen
"Juchhu, juchhu, juchhe, der Flori tanzt im Schnee." -Zitat eines Unbeteiligten Ich selbst bin zitierbar mit diesem Satz: Nach mir die Sintflut und vor mir die Forschungsanstalt! Morgen habe ich meinen letzten Tag im Altenheim; es bleibt zu hoffen dass ich nicht in diesen letzten Stunden irgendwie um 50 Jahre altere und dort hängen bleibe, oder so. Puh, geschafft; will man meinen. Doch noch ist nicht aller Tage Mittwoch! Wer weiß was noch kommt. Trotzdem: Zuversicht, meinerseits. Und wenn alle Stricke reißen, wie der nette Dozent aus der Zivildienstschule meinte: "1-2 mal versetzen ist okeh." D.h.: Ich hab noch einmal :D
Donnerstag, 14. September 2006
Aufbruchsstimmung im Hasenstall
Wetzlar. Und ich. Morgen. Ja, morgen ist Abfahrt, heute der alkoholabstrakte letzte Abend. Und immer noch keine Nachricht aus meiner Dienststelle, dafür lautstarke PC Nachbarn, nerv, aktion frei für die Baader-Meinhof Bande, bitte schnell. Nervbande. Chinanudeln sind ausgegangen, heute gab's McDonald's, dafür fast den Unterricht verpasst. Heimkehr fraglich, Zugverbindung? Geld? Geduld? Schlussendlich ist mir sogar Comic Sans ausgegangen und ich schlurfe stets allein mich wundernd durch das makellose Irrgartengehäuse kleinbürgerlicher Zivildienstschulen. Herr Dr. Gameboy Advance ist leider ausgegangen: Ladeteil vergessen. Dann das ganze Spektrum: Kartenspielen, lesen, träumen, warten. Und manchmal einfach nur alles sein lassen. Mein Buch ist gut, immerhin, Panikattacken halten sich stark in Grenzen, Senta(sehn)sucht tötet mich langsam und qualvoll. Dafür aber, zuletzt, als faulwurfähnliches Fazit, die Begegnung, die kleine Freude im immerhin sehr faulen und auch nicht uninteressanten, dafür aber stark vereinsamenden Lehrgangsalltag, das Schild: KNORZ - Bürozubehör. Kein Scheiß, kein Witz. Aber auch kein vernünftiges Schlusswort. Dafür hier nochmal, zuletzt: Ohnesorg war auch kein Ork. (wo wir beim Thema Rollenspiel wären, an dessen Mangel ich hier leide. Allein das spontane, motivierte, essensvernichtende Sportmonster -mein Gegenstück, praktisch- wusste etwas damit anzufangen. Ergo mit Fantasylektüre. Im Gegensatz etwa zu meinem Zimmergenossen, der sich letztens zwei Ausgaben Sport-Bild kaufte und -ich war dabei- eine halbe Stunde darin las. Die Zeitungen liegen inzwischen im Müll. Jetzt hört er iPod, wie immer.) Nazit: Alles Faschisten, diese Zivis; alles langhaarige Hippies, diese Floris. Ahoi, ihr Zivilmatrrrosen.
Dienstag, 12. September 2006
Lehrgangshase
Wetzlar. Und ich. Jetzt. Und der Stevan. Allerdings in einem anderen Lehrgang (2 Wochen), daher kaum Kontakt. Das Essen macht Sorgen, Ausweichpläne erwünscht. Verlegenheitslösung: Chinanudeln aus Pappkarton, Glückskeks, Plastikgabel. Nett. Dann das gesamte Spektrum: Zivis, Freizeitpädagogen, keine hübschen Frauen (keine Senta), einlagiges Klopapier, Zivicafé, mein Buch, Richtlinien, die RAF und viele Treppen. Wetzlar hingegen ist hübsch, teilweise, verwinkelt, alt, Nebengassen, Nebennebengassen, viele kleine Buchläden. Soweit. Ahoi.
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