Kreuzberger Unwägbarkeiten.
Eine zeitlang habe ich mich gefragt, was ich auf dieser Party eigentlich mache.
Ich bin müde und unkommunikativ. Zwar betrunken, und zwar schon seit Stunden, ja eigentlich seit Mittwoch, aber doch nicht bereit, Interesse für diese Leute zu entwickeln. Sie selbst sind auch nicht betrunken genug, um mich anzupöbeln. Nur mit sich selbst beschäftigt und ihren verfilzten Haaren und politischen Gesprächen.
Und dann stelle ich mich ins Treppenhaus, in das die Party teilweise ausgelagert wurde, weil die kleine WG nicht genug Platz bot für all die Gäste.
Und da ist der Mensch, der mich mitgenommen hat. Er redet darüber, dass Deutschland von der Weltkarte verschwinden muss.
Irgendwann sagt er zu mir:
"Weißt du eigentlich, dass hier ein Popstar wohnt?"
"Aha. Wer?"
"Da, eine Etage höher. Kleingeldprinzessin hat da ihr Zuhause."
Ich brauche einen Moment, bis die Information bei mir ankommt.
"WAS?!"
Ich falle fast vom Geländer, an dem ich gerade turne.
"Komm, ich zeig's dir."
Ich steige also hinauf und tatsächlich erwartet mich an der Tür ein kleines, unauffälliges Namensschild, mit Hand geschrieben.
Und es sagt ganz ohne Selbstverliebtheit:
Dota Kehr.
Ich überlege kurz, zu klingeln und um Sex zu bitten, gehe dann aber wieder und hoffe, dass die laute Musik sie irgendwann stört und sie herauskommt, um Stunk zu machen. Passiert natürlich nicht.
Später pinkelt mein Begleiter vor ihre Tür.