Fahrraddiebstahl und Starallüren.
Wir stehen vor dem Festsaal, kurz vor Beginn des Konzerts, und warten auf unsere letzte Begleiterin, die -aber das wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht- sich in Treptow verlaufen hat.
Mein Kommilitone quatscht eine Frau an, die neben ihm steht. Sie hätte ihm sein Fahrrad geklaut, am Kottbusser Tor, das wäre neu gewesen und ziemlich teuer und er würde es gerne wiederhaben. Erst als die Frau kopfschüttelnd weggeht, sehe ich wer sie ist: Dota, die Kleingeldprinzessin.
Sie sieht genau so aus - und bewegt sich genau so - wie ich sie mir vorgestellt habe.
Auch nach dem Konzert versucht er es noch einmal, sie lacht aber nur und will nichts davon wissen, sein Rad gestohlen zu haben.
Ich finde das frech, wir haben ja genug Eintritt bezahlt, und er ist immerhin nur ein armer Student, aber was soll man machen?
Dass ich weiß, wo sie wohnt, habe ich ihr nicht vor die Nase gehalten, aber es könnte sein, dass sie bald Besuch bekommt.
Tolles Konzert, auch.
Kreuzberger Unwägbarkeiten.
Eine zeitlang habe ich mich gefragt, was ich auf dieser Party eigentlich mache.
Ich bin müde und unkommunikativ. Zwar betrunken, und zwar schon seit Stunden, ja eigentlich seit Mittwoch, aber doch nicht bereit, Interesse für diese Leute zu entwickeln. Sie selbst sind auch nicht betrunken genug, um mich anzupöbeln. Nur mit sich selbst beschäftigt und ihren verfilzten Haaren und politischen Gesprächen.
Und dann stelle ich mich ins Treppenhaus, in das die Party teilweise ausgelagert wurde, weil die kleine WG nicht genug Platz bot für all die Gäste.
Und da ist der Mensch, der mich mitgenommen hat. Er redet darüber, dass Deutschland von der Weltkarte verschwinden muss.
Irgendwann sagt er zu mir:
"Weißt du eigentlich, dass hier ein Popstar wohnt?"
"Aha. Wer?"
"Da, eine Etage höher. Kleingeldprinzessin hat da ihr Zuhause."
Ich brauche einen Moment, bis die Information bei mir ankommt.
"WAS?!"
Ich falle fast vom Geländer, an dem ich gerade turne.
"Komm, ich zeig's dir."
Ich steige also hinauf und tatsächlich erwartet mich an der Tür ein kleines, unauffälliges Namensschild, mit Hand geschrieben.
Und es sagt ganz ohne Selbstverliebtheit:
Dota Kehr.
Ich überlege kurz, zu klingeln und um Sex zu bitten, gehe dann aber wieder und hoffe, dass die laute Musik sie irgendwann stört und sie herauskommt, um Stunk zu machen. Passiert natürlich nicht.
Später pinkelt mein Begleiter vor ihre Tür.
Tanz in den Mai, es sei denn du bist Österreicher und in einem Keller eingeschlossen.
Walpurgisnacht, Mauerpark, Berlin, Wiese.
Sonne zwischen zwei Polizei Autos untergegangen. Nachthimmel an den Ansätzen lila. Schönes Lila.
Flutlicht.
Betrunkene. Menschen. Gelaber.
Er: Irgendsoein Typ. Sitzt neben mir und redet.
Sie: Irgendeine Ische, hört ihm zu.
Ich: Ratlos.
Er: "...find' ich total krass, unter welchen Umständen man sich so trifft und kennenlernt, voll geil."
Ich: "Ich kenn' dich nich."
Er: "Ja eben, Berlin Alter, bestimmt laufen wir uns jetzt irgendwann in der Uni über'n Weg und dann denkst du: Den kenn ich doch von damals!"
Ich: "Denkst du, du wirst dich an mich erinnern können?"
Er: "Ja klar, natürlich."
Sie: "Du hast voll das markante Gesicht."
Er: "Genau, voll schmal und so."
Sie: "Total so 80er Jahre Modern-Talking-Style."
Er: "Genau!"
-_-
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