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Kaninchengänge

Kaninchenstall
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Donnerstag, 21. September 2006
Das weiße Karnickel des Todes
Von omegamann, 20:36

Weiße Wintersprossen wie ein Hauch von Neuschnee auf ihrem Gesicht. Die Augen wasserfarben, mal klar - mal trüb, gefrieren und lassen mich erstarren. Ich erzittere mit all meinem Körper, mit jedem Haar und jedem Trieb; mir ist wohl kalt, doch ich spüre es nicht. Frosthauch, ihre Stimme. Farblose Wolken strömen aus ihr, zu mir, mich einzunebeln, einzuweben wie in das eisige Netz einer Schneespinne. Die Zähne blenden mich, so weiß, ich bedecke meine Augen. Doch ist es nur das Licht der Kältesonne, welches sich wie in einem Eiskristall spiegelt, mir entgegen, mir zu schaden und mich wirr zu machen. Allein, ich lasse meine Sinne nicht narren, zersprenge die Täuschung und erleuchte Stalagmiten und Stalagtiten aus Eis, getarnt als Zähne, diese spitzen Beißwerkzeuge. 

Kalter Schweiß auf meiner Stirn. Und eine einzige flüssige Träne aus ihrem Auge: Warm, salzig, eine Spur nach sich ziehend wie ein Feuerkäfer in der Winterlandschaft, die ihr Körper darstellt. Ein Fremder in einer Welt aus Eis und Schnee, verheerend: brennend, zerstörend, am Ende aber unterlegen, unter Schneelawinen begraben. So auch die Träne, sie hat das Kinn erreicht - und alles was von ihrer schönen Kraft übrig geblieben ist: Ein gefrorener Tropfen, bald nicht mehr von denen des Regens unterscheidbar; in ihrem hübschen Angesicht -mir zum Spiegelbild- nur noch eine weitere Wintersprosse. Wie ich, in meiner letzten Betrachtung erfroren, legt sie sich in den Kälteschlaf, wohlwissend eines Tages in einer Welt aufzutauen, die uns verbrennt und in der nichts geblieben ist von der glasklaren Schönheit meiner weinenden Liebsten.

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Montag, 18. September 2006
Das Versetzungskaninchen
Von omegamann, 13:10

"Juchhu, juchhu, juchhe, der Flori tanzt im Schnee." -Zitat eines Unbeteiligten

Ich selbst bin zitierbar mit diesem Satz: Nach mir die Sintflut und vor mir die Forschungsanstalt!

Morgen habe ich meinen letzten Tag im Altenheim; es bleibt zu hoffen dass ich nicht in diesen letzten Stunden irgendwie um 50 Jahre altere und dort hängen bleibe, oder so.

Puh, geschafft; will man meinen. Doch noch ist nicht aller Tage Mittwoch! Wer weiß was noch kommt. Trotzdem: Zuversicht, meinerseits.

Und wenn alle Stricke reißen, wie der nette Dozent aus der Zivildienstschule meinte: "1-2 mal versetzen ist okeh."

D.h.: Ich hab noch einmal :D

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Donnerstag, 14. September 2006
Aufbruchsstimmung im Hasenstall
Von omegamann, 16:22

Wetzlar. Und ich. Morgen. Ja, morgen ist Abfahrt, heute der alkoholabstrakte letzte Abend. Und immer noch keine Nachricht aus meiner Dienststelle, dafür lautstarke PC Nachbarn, nerv, aktion frei für die Baader-Meinhof Bande, bitte schnell. Nervbande. Chinanudeln sind ausgegangen, heute gab's McDonald's, dafür fast den Unterricht verpasst. Heimkehr fraglich, Zugverbindung? Geld? Geduld? Schlussendlich ist mir sogar Comic Sans ausgegangen und ich schlurfe stets allein mich wundernd durch das makellose Irrgartengehäuse kleinbürgerlicher Zivildienstschulen. Herr Dr. Gameboy Advance ist leider ausgegangen: Ladeteil vergessen. Dann das ganze Spektrum: Kartenspielen, lesen, träumen, warten. Und manchmal einfach nur alles sein lassen. Mein Buch ist gut, immerhin, Panikattacken halten sich stark in Grenzen, Senta(sehn)sucht tötet mich langsam und qualvoll. Dafür aber, zuletzt, als faulwurfähnliches Fazit, die Begegnung, die kleine Freude im immerhin sehr faulen und auch nicht uninteressanten, dafür aber stark vereinsamenden Lehrgangsalltag, das Schild: KNORZ - Bürozubehör. Kein Scheiß, kein Witz. Aber auch kein vernünftiges Schlusswort. Dafür hier nochmal, zuletzt: Ohnesorg war auch kein Ork. (wo wir beim Thema Rollenspiel wären, an dessen Mangel ich hier leide. Allein das spontane, motivierte, essensvernichtende Sportmonster -mein Gegenstück, praktisch- wusste etwas damit anzufangen. Ergo mit Fantasylektüre. Im Gegensatz etwa zu meinem Zimmergenossen, der sich letztens zwei Ausgaben Sport-Bild kaufte und -ich war dabei- eine halbe Stunde darin las. Die Zeitungen liegen inzwischen im Müll. Jetzt hört er iPod, wie immer.) Nazit: Alles Faschisten, diese Zivis; alles langhaarige Hippies, diese Floris. Ahoi, ihr Zivilmatrrrosen.

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Dienstag, 12. September 2006
Lehrgangshase
Von omegamann, 17:42

Wetzlar. Und ich. Jetzt.

Und der Stevan. Allerdings in einem anderen Lehrgang (2 Wochen), daher kaum Kontakt. Das Essen macht Sorgen, Ausweichpläne erwünscht. Verlegenheitslösung: Chinanudeln aus Pappkarton, Glückskeks, Plastikgabel. Nett. Dann das gesamte Spektrum: Zivis, Freizeitpädagogen, keine hübschen Frauen (keine Senta), einlagiges Klopapier, Zivicafé, mein Buch, Richtlinien, die RAF und viele Treppen.

Wetzlar hingegen ist hübsch, teilweise, verwinkelt, alt, Nebengassen, Nebennebengassen, viele kleine Buchläden.

Soweit.

Ahoi.

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Donnerstag, 07. September 2006
Das Schwarze Karnickel des Todes
Von omegamann, 19:42

RatCon, übrigens.

Ein Gedicht aus den Händen einer praktisch unbeteiligten Person beschreibt eigentlich schon lückenfüllend dieses Ereignis. Trotzdem aber, aus Schreibwut, jetzt nochmal ich:

Ich im Zug, ich in Dortmund, ich in ich.

Mein langhehegter Traum platzte schon auf der Anreise: Kein Rollenspiel während der Zugfahrt. Dafür Gespräche. Viele Gespräche. Bis alles gesagt war und die Rückfahrt schweigend schlafend verlief.

Die RatCon ist klein. Kleiner als die Erwartungen. Das Programm ist irgendwie spurlos an mir vorrüber gegangen. Keine Vorlesungen, keine Aktionen, keine sauberen Toiletten. Abwesenheit der Anwesenheit oder Unwissenheit des Anwenders? Frage bleibt ungeklärt. Dafür zivile Preise für zivile Dienstleistende und auch für den Rest. Doch leider: Pommes labbrig, nicht gut. Später dann Burger King. Keine zivilen Preise, dafür aber Bauch voll.

Atmosphäre aufdrehen: Durch einen langen Schulkorridor, vorbei an Tischgruppen. Wortfetzen. "Der Halb Ork spannt den Bogen.", "Deine TP geht nicht über meinen Rüstungsschutz, ätsch.", "Also, der Schieber hat euch in einen dunklen Park gelockt.", etc.  Musik für das phantastische Gehirn, an jeder Ecke ein neues Abenteuer, in jedem Kopf eine neue Welt. Warum nicht immer so?

Erst verwundert, später (also jetzt) nur bereut: Eine Ablehnung verteilt an einen Fremden. Unbekanntes System zu spielen angeboten. Steckten aber in eigenem. Dann der Provokator: "Für DSA bin ich noch nicht müde genug." Dreimal gesagt, keinmal drauf eingegangen. Einfach nur höflich nein gesagt und verabschiedet. Nächstes Mal absolutes: Ja.

Die Nacht dann unerquicklich: Schritte, Stimmen, Witze, Unbehagen und irgendwann... der Morgen. Unerfreulich wie immer. Alle genervt, alles verratzt. Gestern noch für genial befunden, heute nur noch albern: Die anderen Besucher, keine Freaks sondern Idioten, keine kleinen Ich-Ikonen mit Sternen in den Augen und Geschichten in den Gedanken sondern Menschen mit Hobbies und Sendebewusstsein zur Anerkennung durch die eigenen Brillengläser. Am Ende nur verlacht, nicht standhaltend.

Wieder hin? Ja. - Und nicht wieder gehen ohne nicht mindestens an einem multiparallelen Abenteuer oder einer fremden Gruppe teilgenommen zu haben. Hugh.

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Kaninchenfrustrationsriegel - kostenlos
Von omegamann, 17:54

Heute ist aller Tage Ende. Meine Zeit im Altersheim will nicht enden. Höhepunkte wie viel zu hohe Erwartungen nach zwei Tagen arbeit (alle Namen kennen; wissen wer Gabel und wer Löffel kriegt, wer Diabetiker und wer Anreichpatient ist); verschiedene Aufträge von verschiedenen Personen mit verschiedenen Vorstellungen von Prioritäten, zur gleichen Zeit; der Geruch nach menschlichen Exkrementen; alte Menschen auf Toilettenstühlen; nackte alte Menschen im Bett; passiertes Essen; noch mehr unangenehme Gerüche; Windeln; Erbrochenes; der Ekelbecher (alle Essensreste in einen Topf, kräftig umrühren.. hmmm); Stressmonster an jeder Ecke; weinende alte Frauen, denen man Pudding anreichen muss; ...diese Höhepunkte also glaubte ich schon hinter mich gebracht zu haben. Weit gefehlt. Im Schloss Monrepos hätte ich arbeiten können, in Kaffeepausen Jessi und Paul besuchen. Ich hätte wieder richtig essen und schlafen können, ohne Bilderflut an Widerlichkeiten, die mich ohne Schutzanzug umspülen, aufdass ich in einem Meer aus Alpdrücken ertrinke.

Der Dienstflüchtige aus dem Bereich Bodenkunde hätte meine Erlösung sein können, doch hat die Bundesbürokratiebehörde herausgefunden, dass jemand der einfach nicht an seinem Dienstplatz erscheint, trotzdem der "Inhaber" dieses Platzes ist. Also: Kein freier Platz für mich; keine Zukunft die nicht nach Kot schmeckt.

Vorbei. Versetzungsträume geplatzt. Was kommt nun auf mich zu? Der Antrag ist gestellt.... Am Ende naht dann doch die Versetzung nach Auswärts. Keine Heimschlaferlaubnis. Senta nur am Wochenende - und dann auch nur wenn sie nicht gerade arbeitet. Tod durch Wochenendbeziehung, frühzeitige Vergreisung durch Zivildepression.

Und überall diese Nutzlosigkeit: In der Schule hat man wenigstens die Illusion man würde schlauer werden, je länger man dort erscheint, die eigenen Fähigkeiten würden zunehmen. Daher schlechtes Gewissen, wenn man mal fehlt. Dann die Gewissensbisse, ganz subtil und leise, auftretend während jeder Pause die man sich gönnt. Jede freie Minute mit dem Gedanken verbracht: Naja, eigentlich müsste man was tun. Schließlich ist bald Abi. Jaja.

Nun ist es dagewesen, das Abi. Alles halb so wild. Die Freizeit ist jetzt wirklich frei, es gibt kein "eigentlich" mehr. Nur noch Zeit, die verbracht werden will. Kein Zwang zur Verbesserung. Kein Lerndruck. Kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man eine Woche lang bis spät in die Nacht vorm PC sitzt.

Aber auch keine Möglichkeit mehr. Der tägliche Zwang (früher Schule, heute Arbeit) ist wieder da. Und er hat sich verändert. Über allem die Frage nach dem Warum: Kein Ziel (Abi), kein Wissenszuwachs (man verdummt von Tag zu Tag, vergisst alles Gelernte)... und Geld? Bei einem Sold von unter 8€ pro Tag (also unter 1 pro Stunde) auch kein Grund sich zu bewegen. Eine Stunde Nachhilfe geben ist ergiebiger. Warum also?

Na klar.

Aus Zwang.

Kein Entrinnen, keine Perspektiven, keine Lust, kein andres Bier, nur warten und nicht die Würde in der Kloschüssel ertränken.

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